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Erscheinungsjahr: 2016          WER 6419 2             Bestellen

Ondřej Adámek

Körper und Seele

 

CD

1  Polednice
2  Nôise
3  Dusty Rusty Hush
4  Endless Steps

DVD

1  Karakuri - Poupée mécanique
2  Kameny
3  Luft-Inszenierung
4  Körper und Seele
5  Conséquences particulièrement blanches ou noires


Zur Musik

Reich an Klangfarben, energiegeladen und zugleich fein und immer wieder neu ausgeformt ist die Musik des in Berlin lebenden Komponisten Ondřej Adámek, die auf dieser Porträt-CD und -DVD zu hören ist. Der aus Prag stammende Künstler bezieht die Inspiration für seine Werke u.a. aus den spezifischen musikalischen und kulturellen Phänomenen anderer Länder und Kontinente wie Afrika, Spanien, Japan und Indien, die er während längerer Aufenthalte erkundete und später in Kompositionen wie Nôise und Karakuri verarbeitete. Daneben spielt Sprache, vor allem ihre phonetischen und geräuschhaften Qualitäten, bei Adámek eine zentrale Rolle. In den drei Chorstücken der Porträt-CD Polednice, Körper und Seele und Kameny werden der Sprachrhythmus sowie die Klangfarben der Vokale und Konsonanten zum strukturbildenden Prinzip.

Adámeks früh ausgeprägte Leidenschaft für technische Basteleien und alles Mechanische kommt ihm auch auf seiner Suche nach neuen Klängen zugute: Für Körper und Seele entwickelte er in jahrelanger experimenteller Arbeit die ‚Airmachine‘, ein rein mechanisch funktionierendes Instrument aus Partytröten, Hupen, Handschuhen und anderen aufblasbaren Gegenständen, das Geräusche erzeugt, die verblüffenderweise sehr menschlich klingen und dabei in enger Beziehung zu Arbeiten seines bevorzugten Textdichters Sjón stehen.

Booklet-Autor Bernd Künzig versteht Adámeks Musik als eine sprachliche und musikalische ‚Bricolage‘: „Nahezu durch das gesamte Werk des Komponisten ziehen sich Mischformen, in denen das Natürliche mit dem künstlich Mechanischen, konkrete Rituale mit Abstraktion, verschiedene Sprachen, auch Klangsprachen miteinander konfrontiert werden und eine schließlich eigene Mixtur erzeugt wird.“

Die Interpreten, darunter das Ensemble intercontemporain, das SWR Vokalensemble Stuttgart und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, sind bei Adámeks Werken so gut wie immer aufgefordert, über die Grenzen ihres eigenen Instruments oder ihrer Stimme hinauszugehen: Bei den Chorstücken arbeiten die Sängerinnen und Sänger mit Pfeifen, Sirenen, Schlagzeug und anderen Geräuschobjekten; bei Dusty Rusty Hush agiert das gesamte Orchester wie eine große Maschine, stampft, ächzt und kreischt und erweckt damit ein stillgelegtes brandenburgisches Stahlwerk wieder zum Leben.


CD

1 Polednice (2013)
für gemischten Chor und Orchester
Polish Radio Choir · Polish National Radio Symphony Orchestra in Katowice · Leitung: Alexander Liebreich

2 Nôise (2009)
für großes Ensemble
Ensemble intercontemporain · Leitung: Marco Angius

3 Dusty Rusty Hush (2006/07)
für Orchester
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin · Leitung: Manuel Nawri

4 Endless Steps (2006-08)
für Orchester
Orchester der Lucerne Festival Academy · Leitung: Pierre Boulez

 

DVD

1 Karakuri - Poupée mécanique (2011)
für Stimme und Ensemble
Shigeko Hata, Stimme · Ensemble Modern · Leitung: Ondřej Adámek

2 Kameny (2012)
für 24 Stimmen und 16 Instrumente
SWR Vokalensemble Stuttgart · Ensemble intercontemporain · Leitung: George Benjamin
Einstudierung SWR Vokalensemble Stuttgart: Florian Helgath

3 Luft-Inszenierung (2013)
für Airmachine 1

4 Körper und Seele (2014)
für Airmachine 1, Chor und Orchester
SWR Vokalensemble Stuttgart · SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg · Christoph Grund, Airmachine · Leitung: François-Xavier Roth
Einstudierung SWR Vokalensemble Stuttgart: Florian Helgath

5 Conséquences particulièrement blanches ou noires (2016)
für Airmachine 2
Ondřej Adámek


Lebenslauf

10: beginnt Klavier zu spielen, erste Kompositionsskizzen

12: beginnt Orgel und Horn zu spielen und zu malen

14: entdeckt Jazzmusik, spielt E-Gitarre, tritt ins Prager Konservatorium ein

15: Faszination für die Musik anderer Kulturen; spielt Flöten und Trommeln aus unterschiedlichen Kulturen, nimmt Gesangsunterricht

18: Aufnahme an die Musikakademie Prag (Marek Kopelent); arbeitet mit Tänzern und Choreografen; kombiniert in Percussion-Setups traditionelles Schlagwerk mit objets trouvés; entdeckt das präparierte Klavier, Ligeti, Scelsi, Göbbels, Minimalismus, Martin Smolka und das Agon Ensemble

20: zieht nach Paris, studiert am CNSM; lernt die elektroakustische Musik (Luis Naón) und die Spektralmusik kennen; schreibt erste akusmatische Stücke; Stimmimprovisationen (Guy Reibel)

21: reist nach Afrika; arbeitet mit Tänzern und Choreografen (Opiyo Okach, Gaara Company, Produktion Abila)

22: erste Stücke für Instrumentalensemble und Elektronik (Marco Stroppa); studiert Orchestrierung (Marc-André Dalbavie)

25: erste Auftragswerke; schreibt Orchesterstücke ("Composer Project" mit Pierre Boulez an der Lucerne Festival Academy)

27: Aufenthalt in Japan (Villa Kujoyama); lernt Nō-Theater, Bunraku und die rituellen Gesänge der Zen-Buddhisten kennen; arbeitet anschließend an verschiedenen Projekten, die von der japanischen Kultur inspiriert sind (Ça tourne ça bloque, Nôise, Imademo, Karakuri)

29: Aufenthalt in Madrid (Casa de Velázquez); entdeckt den Flamenco (2. Streichquartett Lo que no' contamo'); knüpft Kontakte zu bildenden Künstlern

31: zieht nach Berlin (Stipendium beim Berliner Künstlerprogramm des DAAD); erfindet und entwickelt die Airmachine; lernt den Künstler und Dichter Sjón kennen

32: schreibt Musiktheaterwerke (Spielwerk, Le Dîner mit der Malerin Charlotte Guibé, Kameny); arbeitet mit Videos

33: dirigiert des Orchestre National de Lille und KNM Berlin

34: erster Aufenthalt in Indien; lernt den Hinduismus nach Nithyananda (erleuchteter Meister) kennen, komponiert Polednice und Körper und Seele

36: Aufenthalt an der Villa Medici; schreibt seine erste Oper 7 stones; dirigiert das Ensemble Modern; entwickelt die Airmachine 2

37: Aufenthalt in Barcelona, unterrichtet an der ESMUC; komponiert ein Violinkonzert für Isabelle Faust; Ausstellungen und Konzerte mit den Airmachines (mit Carol Jimenez)