EUROPEAN WORKSHOP FOR CONTEMPORARY MUSIC 2006

 

Rückblick

 

Gedanken der Musiker zur Polnisch-Deutschen Ensemblewerkstatt 2006

 

"Die Zusammenarbeit mit den polnischen Musikern gestaltete sich sehr spannend. Nach anfänglichem vorsichtigem Beobachten stellten sich für mich persönlich schnell nationale Unterschiede im Musizieren heraus: Während von deutscher Seite vor allem große Präzision eingebracht wurde, pflegte die polnische Seite einen schönen expressiven Stil. Beides fand im Verlauf der Probenwoche zu einer neuen Einheit zusammen. Es war schön zu erleben, wie sich musikalisch und menschlich ein Ensemble formierte, das durch die Unterschiede besonders gewann."

 

Anita Ledermann (29 Jahre), Klarinette, Deutschland



"Es macht sehr viel aus, die Komponisten der Stücke direkt kennen zu lernen und mit ihnen arbeiten zu können, da verändert sich auch die Sicht auf ein Werk. Ich hatte vorher auch schon Neue Musik gemacht, aber Warschau hat mich wieder motiviert, mich weiter damit auseinander zu setzen. Sich auf Neues einzulassen heißt auch immer, sich zunächst nur auf seine Ohren zu verlassen, und dabei offen für alles Mögliche zu sein. Es ist eine echte Bereicherung, wenn ich dann jetzt auch wieder mit klassischer Musik arbeite!"

 

Margarethe Maierhofer-Lischka (22 Jahre), Kontrabass, Deutschland/Österreich



"Vor allem die übe-intensiven, komplizierten und zunächst unangenehmen Stücke lassen einen eine gewisse Grenze überwinden. Nach der Einstudierung des Stückes von Enno Poppe kann ich mit "sperrigen" Notentexten jetzt etwas gelassener umgehen. Die Komposition hat mich nachdenklich gemacht, was die Kompositionsästhetik und (damit verbunden) die Notation solcher Stücke angeht.
Andererseits hat mich das vermeintlich leichtere Werk von Baltakas gelehrt, auch Details viel Aufmerksamkeit zu schenken.
Das zweite Konzert in Krakau war wichtig für das Ensemble: Das Repertoire wirkte mehr gefestigt und nicht zuletzt war es toll, Krakau kennenzulernen. Für nur ein Konzert wäre der Probenaufwand viel zu hoch gewesen, und für die Zukunft wäre auch ein drittes Konzert sinnvoll."

 

Torsten Reitz (21 Jahre), Klavier, Deutschland



"So fremd, wie man denken könnte, sind sich Deutschland und Polen gar nicht. Ich habe vor allem einige Lebensgewohnheiten kennen gelernt, und ich hoffe, dass die Offenheit und Gastfreundschaft zwischen beiden Seiten weiter verstärkt werden kann, die mir sehr positiv begegnet ist – trotz der schlimmen Geschichte beider Länder.
Ich hatte den Eindruck, dass in Polen moderne Musik einen anderen Stellenwert hat und mehr beachtet wird, sowohl bei Musikern als auch bei den Zuhörern. Mich hat das zahlreiche und sehr gemischte Publikum beim Festival überrascht."

 

Margarethe Maierhofer-Lischka (22 Jahre), Kontrabass, Deutschland/Österreich



"Die Arbeit mit Rüdiger Bohn hat mir wieder bestätigt, dass es in der zeitgenössischen Musikszene ein lockeres und freies Arbeitsumfeld gibt. Er kombiniert sein hohes fachliches Können mit einer straffen und doch entspannten Art zu proben.
Ich und sicherlich viele der Musiker haben am meisten von dem Stück "Öl" von Enno Poppe gelernt. Wenn ein Stück durchgehend in einer komplizierten rhythmischen Sprache komponiert ist, steigt man selber in diese Welt ein und macht die rhythmischen Strukturen zu eigenen. Bei der ersten Tutti-Probe habe ich mich sehr gefreut zu hören, wie die Bläser und der Rest des Orchesters gut auf einander gehört und reagiert haben."

 

Brett Alan Austad (32 Jahre), musikalischer Assistent, USA