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Edition Zeitgenössische Musik

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Ansprechpartner

Gerardo Scheige
Sina Miranda

Erscheinungsjahr: 2006                        WER 6562 2 Bestellen

Orm Finnendahl

 

Versatzstücke

Kommen und Gehen

Rekurs

Fallstudien



Interpreten: 

Benjamin Kobler Klavier • Mirijam Contzen Violine • Sascha Armbruster Altsaxofon • Pascal Pons Schlagzeug • Ensemble Mosaik (Leitung: Enno Poppe)


Zur Musik

 

Die Logik der Pointe

Orm Finnendahl ist kein musikalischer Humorist. Aber seinen Werken liegen häufig Pointen-ähnliche Wendungen zugrunde, die den Hörer dort überraschen, wo er sich in Sicherheit wähnte. Finnendahl entwirft seine Werke mit Verfahren logischer Rekursionen, infolge wiederholter Anwendung einfacher Regeln. Dadurch setzt er zunächst in sich stimmige und nachvollziehbare Prozesse in Gang, die er aber mit Bruchstellen und Fallstricken versieht. In die Muster und Raster schleichen sich Webfehler und Differenzen ein, die nicht nur als ästhetische Irritationen verständlich werden, sondern dramatische Entwicklungen zeitigen. Wenn die drei Musiker in Rekurs ihr Spiel auf Tonband festhalten und dann ihre eigenen Aufnahmen begleiten, verstricken sie sich bald in einem Netz der Vermeintlichkeiten: zwischen Präsenz und Abwesenheit, zwischen Gegenwart und Vergangenem, und zwischen Ursache und Wirkung. Das Tonband spielt als Medium eine zentrale Rolle in den hier eingespielten Werken, sofern es den Widerspruch zwischen technischem Fortschritt und ästhetischem Stillstand (der fixierten Schallaufzeichnung) versinnbildlicht, ein Widerspruch, den Finnendahl musikalisch exponiert und aufhebt. In Kommen und Gehen verschwindet die Violine allmählich hinter ihrer Reproduktion, um ihren eigenen Klang nur noch hier und da um Nuancen zu bereichern. Und am Ende der Versatzstücke, dem jüngsten der hier versammelten Werke, steht schließlich nur noch das Rauschen der Stille, hinter dem der Pianist, der sich zuvor in einer brachialen Kadenz aufgebäumt hatte, vollständig zurücktritt.

Björn Gottstein


Programm der CD

       
  Versatzstücke 23:22  
  für Klavier Solo und 6-Kanal Zuspielung (1999-2005)    
1         Vorspiel   anhören
2 Satz 1   anhören
3 Satz 2   anhören
4 Satz 3   anhören
5 Satz 4   anhören
6 Satz 5   anhören
  Benjamin Kobler, Klavier    
       
7 Kommen und Gehen 14:30 anhören
  für Violine Solo und 8-Kanal Zuspielung (2000)    
  7.1 Vorspiel    
  7.2 Teil 1    
  7.3 Teil 2    
  7.4 Teil 3    
  7.5 Teil 4    
  7.6 Teil 5    
  Mirijam Contzen, Violine    
       
8 Rekurs 13:16 anhören
  für Altsaxofon, Schlagzeug, Klavier und Aufnahmegeräte (1997/98)    
  8.1 1. Durchlauf Takt 1    
  8.2 1. Durchlauf Takt 15/2    
  8.3 1. Durchlauf Takt 40    
  8.4 2. Durchlauf Takt 1    
  8.5 2. Durchlauf Takt 15/2    
  8.6 2. Durchlauf Takt 38    
  8.7 3. Durchlauf Takt 1    
  8.8 3. Durchlauf Takt 15/2    
  8.9 3. Durchlauf Takt 38    
  Sascha Armbruster, Altsaxofon    
  Pascal Pons, Schlagzeug    
  Benjamin Kobler, Klavier    
       
9 Fallstudien 14:27 anhören
  für Kammerensemble (1993)    
  9.1 Takt 1    
  9.2 Takt 26    
  9.3 Takt 59/2    
  9.4 Takt 131    
  9.5 Takt 232    
  9.6 Takt 297/2    
  Ensemble Mosaik    
  Leitung: Enno Poppe    
       
       

Lebenslauf

     
1963            in Düsseldorf geboren
     
1983-90   Kompositions- und Musikwissenschaftsstudium bei Frank Michael Beyer, Gösta Neuwirth und Carl Dahlhaus in Berlin
     
1995-98   weiterführende Studien bei Helmut Lachenmann in Stuttgart
     
1988/89   Besuch des California Institute of the Arts in Los Angeles
     
1991-95   Künstlerische Leitung der Kreuzberger Klangwerkstatt
     
1993-94   Lehraufträge am elektronischen Studio der Technischen Universität in Berlin
     
1996-2001   Leiter des Instituts für Neue Musik der Hochschule der Künste in Berlin
     
2000-04   Lehrtätigkeit am Institut für Computermusik und elektronische Medien (ICEM) der Folkwang-Hochschule in Essen
     
seit 2004   Professur für elektronische Komposition und Leitung des Studios für elektronische Musik an der Musikhochschule Freiburg
     
    Verschiedene Stipendien und Preise, darunter: Gaudeamus Wettbewerb 1988; Kompositionsstipendium des Berliner Senats 1991 und 1995; deutscher Teilnehmer des Rostrum of Composers in Paris 1992; Stipendium der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks in Freiburg 1994 und 1997; ausgewählt für das Forum junger Komponisten der GNM und des Ensemble Modern 1996; Aufenthaltsstipendium der Stiftung Kulturfonds auf Schloss Wiepersdorf 1996; Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart 1997; Busoni-Preis der Akademie der Künste Berlin 1999, Prix Ars Electronica Linz 2001 und CynetArt Award 2001 in Dresden.
     
    (Stand: 2006)

Werkliste

     
(Auswahl)    
     
2003/04           grep
    für Altsaxofon, Schlagzeug und Computer
     
2003   Fälschung
    für Streichquartett, Laptop, 5-Kanal Zuspielung und 4 Ghettoblaster
     
2002/03   East by West
    interaktive audiovisuelle Installation
     
2001   baila mi ritmo
    für Tonband, Viola, Violoncello, Kontrabass und Video
     
2000   Webfehler
    für Kammerensemble
     
    Kommen und Gehen
    für Violine und Zuspielband
     
1999/2005   Versatzstücke
    für Klavier und Zuspielband
     
1998   Immobilie
    für 6 Maultrommeln und Zuspielband
     
    Kurzschlüssig überkreuzt
    für Violoncello und Klavier
     
1997/98   Rekurs
    für Saxophon, Schlagzeug, Klavier und 2 Aufnahmegeräte
     
1997   Rollenspiele
    für 6 Interpreten mit Cassettenrekordern
     
    Turbulenz
    für Orchester
     
1996   Kontextmaschine/Kastrierte Automaten
    für Saxophonquartett
     
1995   Delikatessen
    für Flöte und Klarinette
     
1993/94, rev. 1995   Wheel of Fortune
    für Midi-Flügel und Live Elektronik
     
1993   Fallstudien
    für Kammerensemble
     
1991   Renaissourcen in modo francese
    für Kammerensemble und 2 Tonbänder
     
    deserts
    für Klarinette, Horn und Viola
     
1990   Missbrauchbare Miniaturen
    für Flöte, Klarinette und Violoncello
     
1988/89   Unter fremden Flaggen
    für Kammerensemble und Zuspielband
     
1988   Jericho II
    für Schlagzeug, Tuba, Tonband und Live-Elektronik
     
1987/88   Jericho
    für Tonband
     
(Stand: 2006)