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Gerardo Scheige
Sina Miranda

Erscheinungsjahr:z 2011                     WER 6580 2 Bestellen

Elena Mendoza


Szenen aus Niebla

Fe de erratas

Gramática de lo indecible



Interpreten:

Oliver Nitsche Sprecher • Uta Buchheister Mezzosopran • Katia Guerdes Sopran • Guillermo Anzorena Bariton • Tobias Dutschke Schlagzeug, Sprecher • Ensemble Courage und Gäste (Leitung: Titus Engel) • Neue Vocalsolisten Stuttgart • ensemble recherche


Zur Musik

 

"Wer die Dinge nicht vermengt, gerät selbst in Verwirrung." Die Dinge - das sind in Miguel de Unamunos 1914 erschienenem Roman Niebla die beständig ineinander fließenden Ebenen von Realität und Fiktion. Die Lust, ihre Grenzen zu verwischen, mehr noch: den Akt dieser Grenzziehung überhaupt als kontingent zu markieren und so die Kunst zu einer Form von Erkenntniskritik werden zu lassen, ist der philosophische Kern des Buches. An ihn, weit mehr als an den Plot und die handelnden Personen, schließt Elena Mendoza an, wenn sie Unamunos Roman als Grundlage ihres abendfüllenden Musiktheaterstückes Niebla wählt. Die Rätselhaftigkeit und Ungreifbarkeit des Daseins, für die im Roman das zentrale Bild des Nebels einsteht, bestimmt das formale Prinzip des Musiktheaterstücks, indem die gleiche Situation anders weitergeführt, aus einer anderen Perspektive dargestellt oder mit anderem Personal bestückt wird, genauer: indem die jeweils dargestellte Realität schon im nächsten Moment durchgestrichen, korrigiert und umgeschrieben wird.

Auch das Stück Fe de erratas folgt der Idee der (Er-)Findung einer musikalisch-szenischen Situation durch die fortlaufende Richtigstellung des gerade Erklingenden: Sechs um die (literarische) Imagination kreisende Textfragmente von Felipe Benítez Reyes und einige wenige, scharf charakterisierte musikalische Bausteine werden auf immer neue Weise, in einer Art Isorhythmie zwischen Musik und Text, semantisch und kompositorisch einander zugeordnet. Jede der so entstehenden Gestalten ist möglich und konsistent, ohne sich doch je zu etwas Definitivem zu verfestigen. Diese Form auskomponierter Ungewissheit kann nur gelingen, wenn die Verbindlichkeit übergeordneter Strukturmodelle sich mit einer Offenheit für den klanglichen und dramaturgischen Moment verbindet, wenn, anders gesagt, die Syntax der musikalischen Sprache im Großen verbindlich wirkt, im Detail aber ein weithin flexibles Agieren erlaubt.

Solch "weiche" Regelsysteme prägen Elena Mendoza Ensemblestück Gramática de lo indecible (Grammatik des Unaussprechlichen) - der Titel des Stücks ist inspiriert von einem Satz Ludwig Wittgensteins, der am Ende als Sprachmaterial in die Komposition eingebaut wird. Wie schon in Fe de erratas fungieren hier vor allem kanonische und isorhythmische Techniken als rahmensetzende Spielregeln. Wie in den anderen Werken Elena Mendozas resultiert daraus ein klangliches und semantisches Changieren von außerordentlicher sinnlicher Präsenz, ein mehrdeutiges Spiel mit Wirklichkeiten, das sich jeder Festlegung entzieht.

Markus Böggemann


Programm der CD

 

 

1 - 11

Szenen aus Niebla (2007)

44:51 

 

Musiktheater in gemeinsamer Autorschaft mit Matthias Rebstock nach dem gleichnamigen Roman von Miguel de Unamuno

 

 

 

Besetzung:

Oliver Nitsche: Augusto/Sprecher 

 

Uta Buchheister: Eugenia/Mezzosopran

 

 

Katia Guerdes: Rosario/Sopran

 

Guillermo Anzorena: Mauricio/Bariton

 

Tobias Dutschke: Victor/Schlagzeug, Sprecher

 

Ensemble Courage und Gäste

 

Leitung: Titus Engel

 

12

Fe de erratas (2008)                         

11:01

für sechs Stimmen a cappella

 

 

 

Neue Vocalsolisten Stuttgart

 

     

13

Gramática de lo indecible (2008/09)

10:36

 

für Flöte, Klarinette, Saxophon, Violine, Violoncello, Klavier und Schlagzeug 

 

 

 

 

ensemble recherche

 

 

 


Lebenslauf

 

Elena Mendoza wurde 1973 in Sevilla, Spanien, geboren. Sie studierte Germanistik in ihrer Heimatstadt, Klavier und Komposition in Zaragoza bei Teresa Catalán, in Augsburg bei John Van Buren,  in Düsseldorf bei Manfred Trojahn und  in Berlin bei Hanspeter Kyburz. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihr Interesse gilt besonders klangfarblichen und dramaturgischen Fragen in instrumentaler und vokaler Komposition. Einen besonderen Stellenwert haben in ihrer Arbeit das Musiktheater und die musikalischen Möglichkeiten von Sprache. In dieser Hinsicht hat sie 2007 mit der Musiktheaterproduktion Niebla (Europäisches Zentrum der Künste Dresden Hellerau, Konzerthaus Berlin, musicadhoy Madrid) in enger Zusammenarbeit mit dem Regisseur Matthias Rebstock maßgebliche Akzente gesetzt.

Sie hat mit Interpreten wie ensemble recherche, Klangforum Wien, ensemble mosaik, Ensemble Modern, Taller Sonoro, Neue Vocalsolisten Stuttgart, Ensemble Ascolta, Oper Nürnberg, Philharmonisches Orchester Freiburg und vielen anderen zusammengearbeitet. 

Ihre Musik wurde auf Festivals wie Ars Musica  (Brüssel), Wittener Tage für neue Kammermusik,  Eclat,  Ultraschall,  MaerzMusik,  musicadhoy (Madrid),  Festival de Música Contemporánea de Alicante,  Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik, Nous Sons Barcelona,  Acanthes (Metz) oder Steirischer Herbst Graz aufgeführt. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, beispielsweise das Stipendium der Akademie Biograf ieSchloss Solitudeden spanischen "Premio Nacional" 2010 und den Musikförderpreis Salzburg 2011.

Elena Mendoza arbeitet aktiv an der Vermittlung und Verbreitung neuerer Musiksprachen, u.a. durch Höranalyse- und Kompositionsworkshops.  Seit Oktober 2007 ist sie zudem Dozentin für Komposition und experimentelle Musik an der Universität der Künste Berlin.

Instrumentale Kammermusik von Elena Mendoza ist auf einer CD bei Kairos zu hören (2008). Seit 2009 erscheinen ihre Partituren bei Edition Peters.

(Stand: 2011)