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Erscheinungsjahr: 2005                        WER 6560 2 Bestellen

Tobias PM Schneid

Prelude I: Harmonic Encounters

weird scenes inside the mirror cages I

Vertical Horizon I

umbrellas & sewing machines

I’m dancing on the edge of time II

the lonely monk’s reflections on reprocreational aspects in fractal organizations II


Interpreten:
Carl Rosman Klarinette • Ulrich Löffler Klavier • musikFabrik (Leitung: Peter Rundel)


Zur Musik

 

Stofflich Reines oder bereits Vermischtes ward in der frühneuzeitlichen Alchemie zusammen gebracht, auf dass unter dem Einfluss von magischer Beschwörung etwas visionär Geahntes entstehe: bevorzugt GOLD, gediegen. Als Vertreter einer Komponistengeneration, der einspurige Pfade ins Utopische suspekt geworden sind, handelt Tobias PM Schneid als Künstler in einer quasi alchemistischen Manier. Seine entschieden subjektive Musik bricht nicht mit Traditionen und findet doch zu Neuem. Ihm geht es um das Bewusstwerden jener intellektuellen und emotionalen FREIHEIT, die "eigentlich erst dann erfahrbar wird, wenn man die Grenzen, die "mirror cages", wahrnimmt, akzeptiert und sie als kreatives Potential begreift".

In Schneids geistiger Welt des künstlerischen Assoziierens durchdringen sich vielfältige Motive. So bewirkte die Malerei Robert Delaunays mit ihren kubistischen Simultanansichten von Paris und ihren prismatisch befreiten Farben entscheidende Schlüsselerlebnisse. Auch fühlt Schneid sich von jenen Zonen inspiriert, wo realer Weltbezug und inneres Erleben umzukippen drohen ins Halluzinatorische, Beklemmende - wie in den Werken von James Joyce oder Samuel Beckett. Zu Thomas Bernhards Wortkaskaden aus Fatalität und skurrilem Sprachwitz verspürt er eine Affinität. Oder er sondiert auf den Spuren des begnadeten Italoamerikaners Marshall Leo Gambetti den Slang der Bronx, schlägt für kaleidoskopische Werktitel Funken aus den "reprokreationalen" Neologismen.

Schneid erstrebt keine "reine" Musik. Er geht aus von präformiertem Material, von den musikalischen Stilen und Schreibweisen, die seine Identität als Mensch und Musiker geprägt haben und prägen. Erklärtermaßen lauscht er wieder und wieder in sich hinein, um sein Hin-und-her-Gerissen-Sein zwischen den eigenen musikalischen Existenzformen zu ergründen. Meist ist es so, dass "zuerst Klangfarben, also Hörbilder möglicher Instrumentation" sich einstellen. Dann erst "kristallisiert sich die Vision einer konkreteren musikalischen Welt" aus. Die Bandbreite der wählbaren Ingredienzien ist groß. Da ist zum einen der Bereich abendländisch tradierter Kunstmusik. Er reicht von der Kontrapunktik der alten Meister über die klassisch-romantische Tradition bis in die Moderne: zur kristallklaren Spielfreude Maurice Ravels, zum visionär Schicksalhaften Gustav Mahlers, zu den Techniken Luciano Berios oder der Metaphysik des als wesensverwandt empfundenen Bernd Alois Zimmermann und weiter. Allerdings: Schneid zelebriert keinen Stilpluralismus à la Alfred Schnittke. Erkennbare Zitate wird man in seiner Musik selten finden. Ihr Gepräge kommt zustande als eine Art ?Fusion?, inspiriert vielleicht von den Gepflogenheiten in den Welten von Jazz und Rock, die für Schneids Empfinden ebenfalls von fundamentaler Wichtigkeit sind. Und sie wirken umso bestimmender, weil sie von tief verwurzelten Sehnsüchten und der Trauer des Blues durchflutet sind, weil etwas in ihnen von Phasen musikalisch-sinnlich geglückter Freiheit nachklingt.

Helmut Rohm


Programm der CD

       
1. Prelude I: Harmonic Encounters 10:14 anhören
  für sieben Instrumente (2000)    
       
2. weird scenes inside the mirror cages I 08:40 anhören
  für sieben Instrumente (2000)    
       
3. Vertical Horizon I 12:13 anhören
  für Klarinette solo (1997)    
       
4. umbrellas & sewing machines 20:19 anhören
  für sieben Instrumente (1999/2000)    
       
5. I'm dancing on the edge of time II 06:19 anhören
  für sieben Instrumente (2001/02)    
       
6. the lonely monk's reflections on reprocreational aspects in fractal organizations II 12:35 anhören
  für Soloklavier und Ensemble (2001)    
       
  Carl Rosman, Klarinette    
  Ulrich Löffler, Klavier    
  musikFabrik    
  Leitung: Peter Rundel    
       
       

Lebenslauf

     
1963            am 02. Juli in Rehau/Hof geboren
     
1982   Abitur am Gymnasium Königsbrunn bei Augsburg
     
1983-85   Gaststudium (Theorie) bei Hubert Nordhoff am Konservatorium in Würzburg
     
1985-88   Kompositionsstudium bei Prof. Bertold Hummel an der Hochschule für Musik Würzburg
     
1988-92   Kompositionsstudium bei Prof. Heinz Winbeck an der Hochschule für Musik Würzburg
     
1994   Meisterklassendiplom
     
     
    Lehrtätigkeit
     
1997/99   Internationale Jugendfestspielwochen Bayreuth (Komposition)
     
1997-2001   Dozent für Musiktheorie an der Fachakademie für Musik Würzburg
     
seit 2001   Lehrauftrag für Musiktheorie an der Hochschule für Musik Würzburg
     
2001   Jeunesses Musicales (Jeunesse Moderne)
     
2005   Juror beim Landeswettbewerb "Jugend musiziert"
     
     
    Preise und Auszeichnungen (Auswahl)
     
1987   Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart
     
1989   Kompositionspreis "Forum junger Komponisten" des WDR
     
1990/94   Kompositionspreis der Sommerlichen Musiktage Hitzacker
     
1991   1. Preis des 1. Wiener Internationalen Kompositionswettbewerbs
     
1993   Halbjähriges Stipendium der Cité Internationale des Arts in Paris
     
1995   Kompositionspreis "Angelo Commneno" Rom
     
1995   Bayerischer Staatspreis für junge Künstler
     
     
1989/91   Offizielle Beiträge der Gesellschaft für Neue Musik, Sektion Deutschland zu den Weltmusiktagen:
    "Versuch über Vergangenes" für Streichquartett und Tonbandzuspielung
    "Einklang op. 1" für großes Orchester
     
     
    Einladungen des Goethe-Instituts zu Vortrags ? und Konzertreisen:
     
1992   Budapest (deutsch-ungarischer Komponistendialog)
     
1996   Manchester ("composer in residence" an der University of Manchester)
     
1998   Kyoto
     
1999   Kopenhagen
     
     
1997   Uraufführung und Fernsehproduktion (Saarländischer Rundfunk) des Musiktheaters "swin swin"
     
1999   45-minütiges TV-Portrait (Saarländischer Rundfunk)
     
     
    Auftragsarbeiten von bzw. Produktionen mit u.a. folgenden Orchestern / Ensembles:
    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Münchener Biennale 1994), Staatstheater Saarbrücken (1997), Deutsches Symphonie Orchester Berlin (1998), Münchener Kammerorchester (1998 & 2001), Ensemble Köln (Beethovenfest Bonn 1999), Ensemble TrioLog (Münchener Biennale 2000, Kissinger Sommer 2002), Ensemble ars nova Nürnberg (BR 2000), Siegfried Palm / Rodin Quartett (2002), Carin Levine (2003), BBC London Symphony Orchestra (2004), Young.Euro.Classics Festival 2004, musikFabrik (2004), ARD Musikwettbewerb 2007 für das Pflichtstück im Fach Klaviertrio
     
    (Stand: 2005)

Werkliste

     
(Auswahl)    
     
    Musiktheater
     
1996/97          Swin Swin
    Musiktheater in 10 Szenen (Libretto: Elisabeth Gutjahr)
    für zwei weibliche Sprechrollen, eine männliche Sprechrolle, drei Soprane, zwei Alt, zwei Countertenöre oder Soprane, Mezzosopran, Statist und Ensemble
     
     
    Orchesterwerke
     
1989/91/97   Einklang op. 1
    für großes Orchester
     
1996/98   Seascapes
    für großes Orchester
     
1998   An iconoclastic reproduction of 19 rainbow players
    für neunzehn Solostreicher
     
2000/01   Symphony of Changes
    für Orchester
     
2004   Run
    Scherzo for Orchestra
    für großes Orchester
     
     
    Ensemble- / Kammermusik
     
1989/93   Versuch über Vergangenes
    für Streichquartett und Tonbandzuspielung
     
1991/93   Entrez!
    Fragment für Streichquartett
     
1993/94   Cascando II
    für Violoncello, Klarinette, Klavier und Verstärker ad lib.
     
1999   The lonely monk's reflections on reprocreational aspects in fractal organizations I
    für Soloklavier und Ensemble
     
1999/2000   umbrellas & sewing machines
    für sieben Instrumente
     
2000   Prelude I: Harmonic Encounters
    für sieben Instrumente
     
2000   weird scenes inside the mirror cages I
    für sieben Instrumente
     
2001   The lonely monk's reflections on reprocreational aspects in fractal organizations II
    für Soloklavier und Ensemble
     
2001/02   Sacred Landscape
    Ritual Fragments für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli
     
2003   Le Cinéma/Le Train
    für Violine, Violoncello, Klavier und computergenerierte Klänge und Videoproduktion
     
2004   Cathedral I - III
    für Ensemble
     
     
    Solowerke
     
1997   Vertical Horizon I
    für Klarinette solo
     
2002   Cathedral I - III
    A Farewell to Bertold Hummel für Klavier solo
     
    What wonderful world, Mr. Armstrong?
    Encore für Klavier solo
     
2003   Vertical Horizon II
    für Flöte solo
     
    (Stand: 2005)