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Gerardo Scheige
Sina Miranda

Erscheinungsjahr: 1993                         WER 6513 2 Bestellen

Mathias Spahlinger

 

inter-mezzo

128 erfüllte augenblicke

in dem ganzen ozean von empfindungen eine welle absondern, sie anhalten



Interpreten:

Robert Regös Klavier • Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks (Leitung: Jörg Wyttenbach) • Dietburg Spohr Stimme • Walter Seyfarth Klarinette • Ulrich Heinen Violoncello • Südfunkchor Stuttgart (Leitung: Klaus-Martin Ziegler)


Zur Musik

 

"die kunst scheint angesichts des unsäglichen einzig die wahl zu haben zwischen zynisch indolenten glasperlenspielen oder läppisch-verletzlicher selbstbespiegelung und, wo sie politische ambitionen hat, dem risiko zum monströsen kitsch."  - Mathias Spahlinger 

Mathias Spahlinger ist sich der scheinbar ausweglosen Situation wohl bewusst, in die sich der Musiker begibt, der weder sein politisches Gewissen noch seine künstlerischen Überzeugungen verraten will. Dem viel zitierten Eisler-Diktum, dass, wer nur etwas von Musik verstehe, auch von Musik nichts verstehe, würde er beipflichten. Aber ihm sofort hinzufügen: 'wer die musik nur politisch versteht, versteht auch von politik nichts.' Weniger elegant, aber auch weniger paradox formuliert: Der Rückzug des Komponisten vom Politischen ins reine Strukturdenken ist für Spahlinger ebenso indiskutabel wie die Preisgabe des musikalischen Anspruchs zugunsten einer erhofften politischen Breitenwirkung. 'wie entgeht man der rolle des 'aktiven konzeptiven ideologen', lautet die Frage, die sich Spahlinger seit den Anfängen seines Komponierens immer wieder stellt - und immer wieder ganz unterschiedlich beantwortet ... Das Verbindende in Spahlingers Oeuvre zeigt sich weniger auf der Ebene charakteristischer kompositorischer Verfahren oder klanglicher Präferenzen ... als im konzeptuellen Überbau. Denn wenn sich etwas wie ein roter Faden durch Spahlingers Komponieren aus zwanzig Jahren zieht, so die vorsichtige, aber doch beharrliche Utopie einer möglichen - politisch wie ästhetisch fundierten - Funktion von Musik.

Peter Niklas Wilson


Programm der CD

       
1      inter-mezzo 26:35 anhören
  concerto non concertabile tra pianoforte e orchestra (1986)    
  Robert Regös, Klavier - Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks    
  Leitung: Jörg Wyttenbach    
       
2 128 erfüllte augenblicke 20:19 anhören
  systematisch geordnet, variabel zu spielen (1976)    
  für Stimme, Klarinette un Violoncello    
  Dietburg Spohr, Stimme - Walter Seyfarth, Klarinette    
  Ulrich Heinen, Violoncello    
       
  in dem ganzen ozean von empfindungen eine welle absondern, sie anhalten 19:28  
  für Chorgruppen und Playback (1985)    
3 Teil 1 12:13 anhören
4 Teil 2 07:14 anhören
  Südfunkchor Stuttgart - Leitung: Klaus-Martin Ziegler    
       
       

Lebenslauf

 

Mathias Spahlinger wurde 1944 in Frankfurt geboren. Sein Vater war Cellist. Ab 1951 unterrichtete ihn sein Vater in Fidel, Gambe, Blockflöte und später Violoncello. 1952 bekam er Klavierunterricht. 1959 begann er sich intensiv mit dem Jazz zu beschäftigen, nahm Saxophonunterricht und wollte Jazzmusiker werden.

1962 verließ er die Schule und machte bis 1965 eine Schriftsetzerlehre. Während der Lehre nahm er privat Kompositionsunterricht bei Konrad Lechner. Nach beendeter Lehre setzte er sein Studium bei Lechner an der Städtischen Akademie für Tonkunst in Darmstadt fort (Klavier bei Werner Hoppstock).

1968 wurde er Lehrer an der Stuttgarter Musikschule für Klavier, Theorie, musikalische Früherziehung und experimentelle Musik.

Von 1973-77 studierte er Komposition bei Erhard Karkoschka an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. 1978 wurde er Gastdozent für Musiktheorie an der Hochschule der Künste Berlin.

Seit 1984 ist er Lehrer für Komposition und Musiktheorie an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe, seit 1990 Kompositionslehrer und Leiter des Instituts für Neue Musik an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg.

(Stand: 1993)


Werkliste

     
(Auswahl)    
     
1969   fünf Sätze
    für zwei Klaviere
     
1969   Drama
    für 12 Solostimmen
     
1970   fürsich
    für eine Darstellerin oder einen Darsteller
     
1970   Szenen
    für Kinder
     
1972   phonophobie
    für Bläserquintett
     
1974   entlöschend
    für großes Tamtam
     
1974   sotto voce
    für Vokalisten
     
1974   wozu noch Musik?
    ästhetische Theorie in quasi ästhetischer Gestalt
     
1974   morendo
    für Orchester
     
1975   vier Stücke
    für Stimme, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier
     
1975   störung
    Elektronische Musik
     
1976   128 erfüllte augenblicke
    systematisch geordnet, variabel zu spielen
    für Stimme, Klarinette und Violoncello
     
1977   éphémère
    für Schlagzeug, veritable Instrumente und Klavier
     
1977   alban berg: Sonate für Klavier op. 1
    Bearbeitung für großes Orchester
     
1973/80   el sonido silencioso
    trauermusik für salvador allende
    für Frauenstimmen
     
1979/80   extension
    für Violine und Klavier
     
1980   pablo picasso: wie man wünsche beim schwanz packt
    Ein Drama in 6 Akten
     
1981   aussageverweigerung/gegendarstellung
    zwei kontra-kontexte für doppelquartett
    für Klarinette, Baritonsaxophon, Kontrabass und Klavier/
    Bassklarinette, Tenorsaxophon, Violoncello und Klavier
     
1981   Rou - agH - IFF - (strange?)
    für Jazz-Solisten und Orchester
     
1982   von hier
    für Streichquartett
     
1982/83   adieu m'amour - hommage à guillaume dufay
    für Violine und Violoncello
     
1983   signale
    Chorszenen ohne Gesang
     
1983   mùsica impura
    für Sopran, Gitarre und Schlagzeug
     
1983/85   verfluchung
    für drei Vokalisten mit Holzschlaginstrumenten
     
1985   in dem ganzen ocean von empfindungen eine welle absondern, sie anhalten
    für Chorgruppen und Playback
     
1986   inter-mezzo
    concertato non concertabile tra pianoforte e orchestra
     
1990   passage/paysage
    für großes Orchester
     
1991   furioso
    für Ensemble
     
1993   nah, getrennt
    für Altblockflöte solo
     
1993   vorschläge
    konzepte zur ver(über)flüssigung der Funktion des Komponisten
     
    (Stand: 1993)