Deutscher Musikrat gemeinnützige Projektgesellschaft mbH

Edition Zeitgenössische Musik

Weberstraße 59
53113 Bonn

0228 - 20 91-170
0228 - 20 91-200 (Fax)

 

edition@musikrat.de

Ansprechpartner

Gerardo Scheige
Sina Miranda

Erscheinungsjahr: 2003                     WER 6555 2 Bestellen

Jörg Widmann

 

Fünf Bruchstücke

étude III

Freie Stücke

Fieberphantasie

 

Interpreten:

u.a. Jörg Widmann Klarinette • Silke Avenhaus Klavier • Carolin Widmann • Violine • Ensemble Modern (Leitung: Dominique My)


Zur Musik

 

Klänge, nicht Töne stehen im Mittelpunkt des Denkens von Jörg Widmann. Er reizt ihre Gestaltung in die Extreme aus. Die Spieler sind nicht selten auf die "höchstmögliche" oder "tiefstmögliche" Tonlage verpflichtet. Nicht nur eine maximale Differenzierung findet statt, sondern eine Materialerweiterung in bislang ungehörte Bereiche. Dabei ist weniger die Verfeinerung der Palette der Farben um geräuschhafte Wirkungen erstaunlich, sondern der Umstand, dass Widmann beide Pole der Skalen des Klanglichen erweitert. Nicht nur aperiodisch bunte Reizwirkungen, wie immer häufiger anzutreffen, sondern auch die periodisch sanften Pastelltöne terzengeschichteter Akkorde sind vorhanden. Widmann macht an ihnen aber neue Eigenschaften hörbar.

Jörg Widmann "... schreibt Musik, die wie ein Sog ist. Er spielt Klarinette mit einer Hingabe, dass man jeden Ton, jede Nuance gespannt verfolgt." (Abendzeitung München)

"... Widmann gehört als Klarinette spielender Komponist sowieso zu den Lichtgestalten der jungen Szene. Erschöpfend, grandios." (Süddeutsche Zeitung)

Für seine kompositorischen Leistungen erhielt Widmann 1999 den Belmont-Preis für zeitgenössische Musik der Forberg-Schneider-Stiftung. Im Jahr 2002 wurde Jörg Widmann der Schneider-Schott-Musikpreis und der Paul-Hindemith-Preis verliehen, gefolgt von einem der begehrten Förderpreise der Ernst von Siemens Stiftung im Jahr 2003.


Programm der CD

       
  Fünf Bruchstücke 07:31  
  für Klarinette und Klavier (1997)    
1 I 01:13 anhören
2 II 01:06 anhören
3 III 01:48 anhören
4 IV 01:15 anhören
5 V 02:09 anhören
  Jörg Widmann, Klarinette    
  Silke Avenhaus, Klavier    
       
6 étude III 06:38 anhören
  für Violine solo (2001/2002)    
  Carolin Widmann, Violine    
       
  Freie Stücke 25:29  
  für Ensemble (2002)    
7 I 01:16 anhören
8 II 06:18 anhören
9 III 02:56 anhören
10 IV 00:57 anhören
11 V 02:45 anhören
12 VI 02:03 anhören
13 VII 02:37 anhören
14 VIII 01:01 anhören
15 IX 02:35 anhören
16 X 03:01 anhören
  Ensemble Modern    
  Leitung: Dominique My    
       
17 Fieberphantasie 16:58 anhören
  für Klavier, Streichquartett und Klarinette (1999)    
  Silke Avenhaus, Klavier - Muriel Cantoreggi, Violine    
  Rüdiger Lotter, Violine - Kelvin Hawthorne, Viola    
  Christoph Richter, Violoncello - Jörg Widmann, Klarinette    
       
       

Lebenslauf

 

Jörg Widmann, geboren 1973 in München, erhielt seinen ersten Klarinettenunterricht im Alter von sieben Jahren. Das Klarinettenstudium absolvierte er zunächst an der Musikhochschule in München bei Gerd Starke und später bei Charles Neidich an der Juilliard School of Music in New York. Als Klarinettist gewann er erste Preise beim Carl-Maria-von-Weber-Wettbewerb, München, und beim Wettbewerb deutscher Musikhochschulen, Berlin. 1996 erhielt er den Kulturförderpreis der Landeshauptstadt München sowie 1997 den Bayerischen Staatspreis für junge Künstler.

1999 spielte er die Uraufführung der für ihn geschriebenen Musik für Klarinette und Orchester "Über die Linie II" von Wolfgang Rihm mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Sylvain Cambreling. Dieses Stück führte er auch mit dem Radio-Symphonieorchester Wien, dem Münchner Kammerorchester und dem Royal Philharmonie Orchestra London auf.

Die Kammermusik spielt eine wichtige Rolle im Leben von Jörg Widmann, der regelmäßiger Gast bei zahlreichen Festivals ist, darunter die Berliner Festwochen, der Kissinger Musiksommer, das Kammermusik Festival Schloss Moritzburg und die Musicades Lyon. Er musiziert u.a. mit Natalia Gutman, András Schiff, Heinz Holliger, Christoph Poppen, dem Vogler- und dem Prazak-Quartett.

Seit Oktober 2001 ist Jörg Widmann Professor für Klarinette an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg. Als Dozent ist Jörg Widmann davor mehrfach hervorgetreten. 1993 hielt er erstmals Vorträge und gab Kurse an der Royal Academy of Music in London, später auch an der Musikhochschule in Lissabon und am Konservatorium in Odessa. 2001 widmete ihm das Londoner Royal College of Music als Klarinettist und Komponist ein Festival. Bereits 1984, im Alter von elf Jahren, begann Jörg Widmann mit seinem Kompositionsunterricht bei Kay Westermann, den er später bei Hans Werner Henze, Wilfried Hiller, Heiner Goebbels und Wolfgang Rihm fortsetzte. Für die Münchner Kammerspiele komponierte er 1998/99 Schauspielmusiken zu Shakespeares "Cymbelin" und Euripides' "Hekabe" (Regie: Dieter Dorn). Sein Debüt bei den Donaueschinger Musiktagen feierte er 2001 mit dem Orchesterstück "Implosion".

Seine Werke werden bei Festivals wie dem Lucerne Festival, dem Warschauer Herbst, der Biennale Zagreb, der Münchener Biennale, der EXPO 2000 u.a. aufgeführt. Orchester wie die Staatskapelle Dresden, die Münchener Philharmoniker, das Deutsche Sinfonieorchester Berlin und Ensembles wie das Klangforum Wien und das Ensemble Modern spielen seine Kompositionen. 1999 wurde er mit dem Belmont-Preis für zeitgenössische Musik der Forberg-Schneider-Stiftung, 2002 mit dem Schneider-Schott-Musikpreis und mit dem Hindemith Preis des Schleswig-Holstein Musik Festivals ausgezeichnet. Derzeit arbeitet Jörg Widmann an einer Oper für die Bayerische Staatsoper.

(Stand: 2003)


Werkliste

     
(Auswahl)    
     
1993        Kreisleriana
    Konzertstück für Violine und Orchester
     
1993   180 beats per minute
    für Streichsextett
     
1993   Tränen der Musen
    für Violine, Klarinette und Klavier (rev. 1996)
     
1993   Fantasie
    für Klarinette solo
     
1994   Badinerie
    für Flöte solo
     
1995   Etude I
    für Violine solo
     
1996   Three Rilke fragments
    für Sopran, Klarinette, Bassklarinette, Viola, Violoncello und Kontrabaß
     
1996/97   Fleurs du mal
    Klaviersonate nach Baudelaire
     
1997   Fünf Bruchstücke
    für Klarinette und Klavier
     
1997   Sieben Abgesänge auf eine tote Linde nach Gedichten von Diana Kempff
    für Sopran, Violine, Klarinette und Klavier
     
1997   Arlecchino rabbioso
    für selbstspielende Jahrmarktsorgel
     
1997   Insel der Sirenen
    für 19 Streicher und Solo-Violine
     
1997   K(l)eine Morgenstern-Szene
    für Sopran, Schauspieler, russisches Cymbalom und Schlagzeug
     
1997/98   Streichquartett
     
1998   Duell
    für Posaune und E-Gitarre
     
1998   Nachtstück
    für Klavier, Klarinette und Violoncello
     
1998   Schauspielmusik zu Shakespeares "Cymbelin"
     
1998   Skizze, Splitter, Mosaik
    für Flöte, Harfe und Streichtrio
     
1998/99   Schauspielmusik zu Euripides "Hekabe"
     
1999   Fieberphantasie
    für Klavier, Streichquartett und Klarinette
     
1999   Wandrers Nachtlied
    für fünf Instrumente und Sopran
     
1999   Ikarische Klage
    für zehn Streicher
     
1999/2000   ...umdüstert ...
    für Kammerensemble
     
2000   Dunkle Saiten
    für Violoncello, Orchester und zwei Frauenstimmen
     
2000   Passacaglia
    für Klaviertrio
     
2000/2001   Das Echo
    Szene für einen Schauspieler, hohe Frauenstimme und neun Instrumente
     
2001   Fragment in C
    für Pianoforte
     
2001   Lichtstudie I
    für Orchester
     
2001   Implosion
    für Orchester
     
2001   Polyphone Schatten (Lichtstudie II)
    für Viola, Klarinette und Orchester
     
2001   Etude II
    für Violine Solo
     
2002   Etude III
    für Violine Solo
     
2002   Freie Stücke
    für Ensemble
     
2002   Toccata
    für Klavier
     
2002   Lichtstudie III
    für Klavier
     
2002   ad absurdum.
    Konzertstück für Trompete und Orchester
     
    (Stand: 2003)