Deutscher Musikrat gemeinnützige Projektgesellschaft mbH

Edition Zeitgenössische Musik

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Ansprechpartner

Eva Pegel
Gerardo Scheige
Sina Miranda

Erscheinungsjahr: 2010                WER 6592 2 Bestellen

Compilation 75


Jay Schwartz

Hannes Seidl

Markus Hechtle

Enno Poppe

Jörg Widmann

Moritz Eggert

Isabel Mundry

Mathias Spahlinger

Johannes Kalitzke

Peter Michael Hamel


Zur Musik


Moderne Musik, Neue Musik, Zeitgenössische Musik: Musik heute in Germany

Ihren ganz genauen Geburtstag kennt niemand. Denkbar wäre der 21. Dezember 1908, Tag der Uraufführung von Arnold Schönbergs 2. Streichquartett in Wien, ein willkommener Tag für die Niederkunft der Neuen Musik. Denn das halbstündige Werk mit dem Zitat "Alles ist hin" aus dem deutschen Gassenhauer "O, Du lieber Augustin" und der vom Sopran gesungenen "Luft vom anderen Planeten" bricht vehement mit dem Gewohnten. Und: Schönbergs Opus 10 evoziert einen handgreiflichen Skandal, es tropft gar etwas Blut. Was so kraftvoll das Licht der öffentlichen Welt erblickt und es ihr zugleich künftig in anderen Prismen spendet, bahnt sich schon geraume Zeit vor 1908 an, begleitet von imposanten Vokabeln aus den Pressefedern. Von "Demokratengeräuschen" spricht man auf dem Festland und 1905 gar von "Neuester Musik". Diese historische Situation komprimiert Kurt Tucholsky später - 1930 - in das Aperçu: "Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche Revolution in der Musik statt."

Die zeitgenössische Musik ist älter, als manche glauben, zugleich ist sie jünger, als viele vermuten. Schließlich hat sie an Attacken aus den unterschiedlichsten Lagern des Kulturbetriebs kaum was eingebüßt; sie gehört längst noch nicht zu den Lieblingskindern des Entertainments - und das will sie ja auch nicht. Sie will weiterhin Stachel im akustischen Getriebe sein, Kunstklänge produzieren, die das Erbe weitertragen, es mit den Mitteln der Gegenwart ins Jetzt überführen, das Alte bestätigen oder es auch verneinen. Dafür erfindet sie sich in nahezu jedem Moment neu, bricht auf, was sich soeben geschlossen hat, hinterfragt, bietet unerhörte Ansätze und aktuelle Fragestellungen.

Die neue Musik, also die Musik von heute, die von lebenden Komponisten für meist, aber längst nicht mehr ausschließlich alte Instrumente, geriert sich ironisch, tiefgründig, atemlos, frei, manchmal auch knochig; sie füllt blinde Flecke und schenkt einzigartige Augenblicke; sie erweist sich als überaus labyrinthisch, so wie das ganz normale Leben, hadert bisweilen mit sich selbst, um dann mit Aplomb und als konträres Spiegelbild zum Gewohnten neue ästhetische Realitäten zu formulieren. Nicht immer zur Freude der Musikkontrolleure, die, gerne in der vielfältigen deutschen Kunstklangproduktionslandschaft, zu viel Krautiges, Kauziges, Starrsinniges, Verkopftes zu entdecken glauben. Aber ist das wirklich der Fall? Die Edition Zeitgenössische Musik, die der Deutsche Musikrat seit 1986 publiziert, lehrt Besseres. Gerade wenn vieles hin ist, bedarf es des Auf- und Umbruchs, nicht nur ästhetisch, aber immerhin das vermag die Musik von heute, und je zeitgenössischer, desto nachhaltiger.

Stefan Fricke


Programm der CD

 

 

 

 

 

1

 

Jay Schwartz

 

Music for orchestra*

 

WER 6572 2            

     

13:42

    

 

2

 

Hannes Seidl

 

The Art of Home Entertainment*          

 

WER 6574 2

 

08:24

 

 

3

 

Markus Hechtle

 

Blinder Fleck

 

WER 6570 2

 

06:59

  

 

4

 

Enno Poppe

 

Knochen I

 

WER 6564 2

 

09:02

 

 

5

 

Jörg Widmann

 

Freie Stücke 8-10

 

WER 6555 2

 

06:37

 

 

6

 

Moritz Eggert

 

Außer Atem  

 

WER 6543 2

 

06:42

 

 

7

 

Isabel Mundry

 

Spiegel Bilder II

 

WER 6542 2

 

05:21

 

 

8

 

Mathias Spahlinger

 

128 erfüllte Augenblicke (excerpt)   

 

WER 6513 2

 

04:41

 

 

9

 

Johannes Kalitzke

 

Labyrinth der Lieder 1+2

 

WER 6512 2

 

04:37

 

 

10   

Peter Michael Hamel       

Diaphainon*

WER 6520 2

12:45

 

 

 

* exclusive composer's cut